Die Bäuerin

Die Bäuerin trug die Milch in zwei Eimern und setzte sie zum Kühlen in eine Kammer. Langsam ging sie in die große Küche, wo gekachelte Wände mit geflochtenen Stühlen davor zum Sitzen einluden. Das grobfasrige Tischtuch hatte sie selbst gewebt. Das einfache Muster strahlte Ruhe aus, und der frische Duft des Leinens durchzog den Raum.

Auf dem Herd ließ der breite kupferne Kessel, der immer kochte, heißen Dampf in der Luft herumtanzen. Dieser nahm seinen Weg durch den Rauchfang, vorbei an dicken Speckseiten, die schaukelten, und an getrockneten Kräutern und Tees, denen der Duft des Sommers entströmte.

Eine große weiße Blechkanne mit runden farbigen Flecken stand auf dem Herd. In ihr konnte sich der Kaffee absetzen. Die Bäuerin goß das Getränk in eine hohe Tasse, stellte sie auf den Herd, damit der Kaffee warmbliebe und sein Schaum in der Tiefe der Tasse veschwand.

Ihr Sessel mit den aufgeschütteten karierten Kissen stand ganz nah am Herd in der Ecke, wo das Rohr den Weg in die dicke Wand nahm.

In einem großen schwarzen Eisentopf hatte sie eine sämige Suppe gekocht, die sie nun mit einem langen Holzlöffel durchrührte. Die Speckwürfel schwammen, tanzten und drehten sich im Kreise.

Die Bäuerin setzte sich und neigte das gescheitelte Hauptzum kurzen Schlummer. Ihre Hände ruhten ineinander. Nur die beiden Daumen waren in Bewegung, spielten, zuckten. Eine Fliege setzte sich drauf und summte, und die Frau summte leise mit. Das Spinnrad in der Ecke wartete geduldig, bis es die Wollflocken verarbeitenund das Surren seines Rades die Abendstille durchbrechen würde.

Draußen auf den Resten des Walles, der ehemals denHof umfriedete, spielten die kleinen Schweinchen und stießen mit der flachen Schnauze nach den Engerlingen in der kühlen Erde. Sie gediehen gut auf diesem Hof, vor dem ein uralter Mispelbaum stand. Weise und gedankentief schaute er aus. Die Zeit hatte ihm seltsame Formen gegeben, knorrige Aste, die sich gleich Armen ausbreiteten. Alt war er und hager, sein geborstener Stamm mit Runzeln und Falten übersät; die Baumerde hatte einen breiten Platz gefunden. Jahrelang trug er die Früchte, die beim Pflücken kalt und herb schmecken, im langen Liegen sich versüßen und erst in der Fäulnis so lecker sind.

Die Drossel holte sich die letzten Früchte, bevor der eisige Frost und der strenge Winter die Natur zum langen Schlafe zwangen.

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